Donnerstag 21. September 2023

Führung durch das Benediktinerkloster Fischingen

Organisation: Rolf Ansorge; Bilder: Rolf, Beat und Urs

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Luftaufnahme der Klosteranlage, Photo: PILGRIM

Nach einem guten Mittagessen im Restaurant Rebstock in Wil SG fuhren wir mit dem Bus 734 nach Fischingen. Direkt vor dem Klostereingang stiegen wir aus und wurden schon von unserem Präsidenten, Rolf Ansorge, erwartet. Die Führung führte uns durch den reich dekorierten Empfangsraum des Abtes zum Archiv. In einer Schubladenwand versteckt sich eine geheime Türe, die damals zu den Gemächern des Abtes führte, so dass er immer unbemerkt Zugang zu den Klosterakten hatte. Durch lange Gänge und über Treppen gelangten wir in die Barockkirche. Der Besuch in der Kapelle der heiligen Idda war sehr spannend, ebenso der Obere Chor der Kirche, mit der grossen Aichgasser-Orgel von 1761 mit über 2200 Pfeifen und 33 Registern. Unser Führer trug uns darauf einige Kostproben der Orgel vor. Zum Schluss besuchten wir die grosse Bibliothek, wo allerdings nicht mehr die originalen Bücher zu sehen sind. Die mittelalterlichen Bibliotheksbestände wurden von der Kantonsbibliothek Thurgau übernommen.

Bilderstrecke:

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Bahnhof Wil SG                                                                  Ankunft in Fischingen

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Klosterhof                                                              Eingangseite

Der Verein St. Iddazell betreibt heute einer Sonderschule, ein Seminarhotel mit 29 Doppelzimmern und zwei Mehrbettenräume mit 12 und 20 Betten in den Gemäuern. Das Kloster betreibt auch eine Pilgerherberge für den Schweizer Jakobsweg. Auch betreibt der Verein eine Klosterbrauerei und stellt Bier unter der Marke «Pilgrim» her. Des Weiteren gehört eine Schreinerei / Zimmerei zum Kloster.

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Empfangsraum des Abtes                                             Klosterarchiv

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Krippenfiguren und Kreuzgang                                                       Schlafraum für Pilger

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Barockkirche Fischingen

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Chor mit Aichgasser Orgel von 1761

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                                                               Iddakapelle                                  Grab der heiligen Idda

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In der Bibliothek

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Zuguterletzt ein feines PILGRIM-Bier aus der Klosterbrauerei

 

Hier folgt die Bildershow von Urs, mit vielen zusätzlichen Bildern 

Im Anschluss ein Zusammenstellung der Klostergeschichte

Textpassagen aus Wikipedia "Kloster Fischingen"
und der Webseite des Klosters Fischingen.

 

Gegründet wurde das Kloster kurz vor 1138 durch den Konstanzer Bischof Ulrich II und wurde durch Mönche des Konstanzer Klosters Petershausen besiedelt. Von Beginn an war Fischingen als Doppelkloster geplant, also ein Kloster für Mönche und Nonnen. In einer Bauzeit von nur sechs Jahren wurde ein Glockenturm, je ein Haus für Mönche und Schwestern sowie eine Herberge errichten. Die Vogtei über das Kloster übten die Grafen von Toggenburg aus. Die heilige Idda von Toggenburg, die um 1200 in einer Klause beim Kloster lebte, liegt in einer Kapelle neben der Klosterkirche begraben. Während der Reformation erlosch das Kloster während mehrerer Jahre Die Benediktinerabtei wurde jedoch auf Initiative der katholischen Orte der Eidgenossenschaft wieder errichtet

Im 17. und 18. Jahrhundert wurde die Klosteranlage im Barock- und Rokokostil umgebaut. Von 1685 bis 1687 wurde eine neue Abteikirche errichtet, 1705 eine der heiligen Idda geweihte Kapelle. Von 1753 bis 1761 wurde ein Teil der Konventgebäude neu errichtet. Am 4. November 1761 bezogen die Mönche ihre neu errichteten Unterkünfte.

Eine grosse Wende brachten die liberal-radikale Staatsumwälzung von 1831 und das verhängnisvolle Klostergesetz von 1836. Trotz vereinter und kluger Gegenwehr wurden schliesslich sämtliche Thurgauer Klöster am 27. Juni 1848 vom Thurg. Grossen Rat aufgehoben. Im Zeichen der Aufklärung und eines überspitzten Rationalismus erachtete man damals die Klöster als auszumerzende Überbleibsel vergangener Zeiten.

Nach der Aufhebung des so genannten Ausnahmeartikels in der schweizerischen Bundesverfassung im Jahr 1973, der die Errichtung neuer und die Wiederherstellung aufgehobener Klöster verbot, wurde 1977 das Kloster Fischingen als Benediktiner-Priorat in den alten Gebäuden wieder errichtet. Als erster Prior wurde Florin Cavelti ernannt. Ihm folgte als Prior der Pater Leo Müller aus der Benediktinerabtei Disentis. Nach seiner Amtseinsetzung begann der Verein St. Iddazell als Eigentümer der Gebäude 1997/1998 mit umfangreichen Renovierungsmassnahmen.

Fast vier Jahre nach der Klosteraufhebung, im Januar 1852, verkaufte der thurgauische Staat die Klostergebäude an den evangelischen Fabrikanten Imhof aus Winterthur, der sie zur Fabrikation von gefärbten Baumwollstoffen mit Jacquard-Weberei benützte. Nach Jahren eines guten Geschäftsganges haperte es mit der Rendite. Im Herbst 1875 kaufte der kath. Advokat August Wild aus Sirnach das Kloster, um darin eine internationale Handelsschule zu errichten, die jedoch nicht florierte und schon im Frühjahr 1879 geschlossen werden musste.

Im Herbst 1879 gründeten engagierte katholische Männer den Verein St. Iddazell, welcher die Klostergebäude mit Grund und Boden erwarb und darin am 3. November 1879 , am Festtag der hl. Idda, die kath. Waisenanstalt St. Iddazell eröffnete. Diese entwickelte sich in der Folge zur Erziehungsanstalt und zum Kinderheim mit interner Sekundarschule.

Man dachte schon damals an eine eventuelle Wiedererrichtung des aufgegebenen Klosters. Als dann in der Volksabstimmung vom 20. Mai 1973 der sog. Ausnahmeartikel über die Errichtung neuer und die Wiederherstellung aufgehobener Klöster in der Bundesverfassung gestrichen wurde, erschien das einstige Fernziel in greifbare Nähe gerückt. Erspriessliche Verhandlungen mit dem Verein St. Iddazell, dem zuständigen Diözesanbischof, dem Thurg. Kath. Kirchenrat, der Kirchgemeinde Fischingen und dem Mönchskonvent von Engelberg führten dazu, dass am 28. August 1977 die rechtliche Wiedererrichtung des Klosters Fischingen in feierlicher Form vorgenommen werden konnte.

Links:

https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Fischingen

https://klosterfischingen.ch/

https://www.pilgrim.ch/de/